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Bundesbildungsministerin Karin Prien zu Besuch am Campus Handwerk

Austausch über berufliche Bildung, Fachkräftesicherung und die Zukunft des Handwerks

Lingen. Bundesbildungsministerin Karin Prien besuchte am 4. September den Campus Handwerk in Lingen. Im Mittelpunkt des Austauschs mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Handwerk standen die Stärkung der beruflichen Bildung, die Fachkräftesicherung und die Frage, welche Rahmenbedingungen Betriebe und Bildungsstätten benötigen, um den Veränderungen der Arbeitswelt zu begegnen.

Zum Auftakt begrüßte Matthias Ricken, Geschäftsführer des Campus Handwerk, die Bundesministerin und die Gäste. Mit dabei waren unter anderem Vertreter der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim und der regionalen Kreishandwerkerschaften sowie der niedersächsische Landtagsabgeordnete Christian Fühner. Nach einer kurzen Vorstellung des Campus und seiner Tätigkeitsfelder entwickelte sich ein offener Austausch über die Situation der beruflichen Bildung und die aktuellen Herausforderungen des Handwerks.

Berufliche Bildung auf Augenhöhe

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. „Das Thema Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung hat mich die ganze Zeit begleitet“, sagte Prien. Dabei gehe es nicht allein um die gesellschaftliche Anerkennung unterschiedlicher Bildungswege, sondern auch um die Bedingungen, unter denen berufliche Bildung stattfindet. Bei der Ausstattung entsprechender Bildungseinrichtungen gebe es insbesondere im Vergleich zur akademischen Bildung weiterhin Nachholbedarf.

Für das Handwerk sieht die Bundesministerin zugleich Anlass zu Optimismus. Entgegen dem allgemeinen Trend entwickelten sich die Ausbildungszahlen positiv. „Wir haben fast fünf Prozent Zuwachs im Handwerksbereich in diesem Jahr“, so Prien.

Entscheidend für die Fachkräftesicherung sei jedoch, junge Menschen frühzeitig zu erreichen und ihnen berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Auch das Elternhaus spiele bei der Berufswahl weiterhin eine wichtige Rolle. Andreas Nünemann, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, unterstrich: „Wir müssen die Eltern überzeugen, dass Handwerk nicht etwas Schlechtes, sondern etwas Gutes ist.“

„Das Handwerk hat goldene Zeiten vor sich“

Technologische Veränderungen und neue Anforderungen an Betriebe und Beschäftigte waren ein weiterer Schwerpunkt des Austauschs. Aus Sicht der Bundesministerin bieten diese Entwicklungen erhebliche Chancen für die berufliche Bildung und das Handwerk.

„Ich glaube, dass das Handwerk goldene Zeiten vor sich hat, wenn man es richtig anpackt“, sagte Prien. Dafür müssten Betriebe und junge Menschen auf neue Technologien und veränderte Anforderungen vorbereitet werden. Neben der Ausbildung komme dabei auch der Fort- und Weiterbildung eine wachsende Bedeutung zu.

Zugleich müsse über die Rahmenbedingungen gesprochen werden, unter denen Betriebe und Bildungseinrichtungen arbeiten. Dazu gehören Fragen der Finanzierung ebenso wie staatliche Vorgaben und notwendige Handlungsspielräume.

Berufliche Bildung in der Praxis

Wie berufliche Bildung konkret umgesetzt wird, zeigte sich beim anschließenden Rundgang durch den Campus. In der Metallwerkstatt kam Prien mit zwei Auszubildenden ins Gespräch und informierte sich über deren Erfahrungen in Ausbildung und überbetrieblicher Lehrlingsunterweisung.

Eine weitere Station war der derzeit entstehende Neubau des Schulungsgebäudes für Maurer und Zimmerer am Standort Schwarzer Weg. Das Bauvorhaben steht beispielhaft für die Investitionen, die notwendig sind, um eine leistungsfähige berufliche Bildungsinfrastruktur langfristig zu sichern und auf neue Technologien und Anforderungen auszurichten.

Für Campus-Geschäftsführer Matthias Ricken geht es dabei nicht allein um moderne Werkstätten und Schulungsräume: „Wir wollen für die Menschen, die hier agieren, gute Randbedingungen schaffen. Hier sollen alle ein Campus-Erlebnis haben.“

Der Neubau bot zugleich einen konkreten Anknüpfungspunkt für die Frage, welche Rahmenbedingungen Bildungsstätten benötigen, um auch künftig in moderne Aus- und Weiterbildung investieren zu können. Verlässliche Förderbedingungen, Planungssicherheit und ausreichende Handlungsspielräume sind dabei aus Sicht des Campus Handwerk wesentliche Voraussetzungen.

Optimistischer Blick auf die Zukunft des Handwerks

Prien zeigte sich mit Blick auf die berufliche Bildung insgesamt zuversichtlich: „Sehen Sie mich, was die berufliche Bildung angeht, durchaus optimistisch, wenn ich auch nicht verkenne, dass wir große Herausforderungen haben.“

Der Austausch Anfang September unterstrich damit Themen, die für den Campus Handwerk und die Betriebe der Region dauerhaft von Bedeutung sind: Fachkräftesicherung, eine leistungsfähige Bildungsinfrastruktur sowie eine Aus-, Fort- und Weiterbildung, die mit technologischen Veränderungen Schritt hält. Für das Handwerk gilt es, junge Menschen für berufliche Bildungswege zu gewinnen, Fachkräfte weiterzuqualifizieren und zugleich die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Betriebe den technologischen Wandel erfolgreich gestalten können.